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März 16, 2015 | Veröffentlicht von Heinrich | Unter: Neuigkeiten

Die Ausstellung wird begleitet von einem reichhaltigen Rahmenprogramm. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Führungen für alle Altersstufen sowie für Schulklassen und andere Gruppen zu buchen. Informieren Sie sich über das Angebot und lassen Sie sich inspirieren.

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Die Ausstellung

Durch die rege Sammlertätigkeit von Handelshäusern, Missionaren, Kolonialbeamten und Kapitänen gelangten vor dem Ersten Weltkrieg viele Objekte aus den Inselwelten des pazifischen Ozeans in das Roemer- und Pelizaeus-Museum. In Hildesheim entwickelte sich so eine der bedeutendsten Südsee-Sammlungen Deutschlands, deren Highlights nun der Öffentlichkeit erstmals in einer eigenen Ausstellung zugänglich gemacht werden.

Die Sonderausstellung gibt mit mehr als 250 Objekten einen thematisch gegliederten Überblick über die vielfältigen Kulturen der Südsee. Gezeigt wird auf rund 1.000 qm eine Momentaufnahme zwischen 1880 und 1914: eine Zeit, in der die Auseinandersetzung mit den kolonialen Mächten tief gehende und bleibende Veränderungen in den Südsee-Gesellschaften herbeiführte. Viele der Objekte zeugen von diesem Wandel und dokumentieren zugleich den kulturellen Reichtum dieser Region.

Im Vordergrund des in sechs Themenbereiche gegliederten Rundgangs steht die Vielschichtigkeit der Südsee-Gesellschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Inszenierungen und Modelle entführen in die Welt der Südsee und erleichtern den Zugang zu den fremden Kulturen. In ihren kulturellen Kontext eingebettet, werden die Objekte zu lebendigen Vermittlern der Südsee-Welt. Kostbare Gegenstände aus dem religiösen, sozialen und alltäglichen Umfeld beeindrucken durch eine Fülle von Materialkombinationen und eine reiche Ornamentik.

Die Einführungsinszenierung entführt den Besucher zunächst in den Mythos Südsee und kontrastiert in Europa weit verbreitete Vorstellungen eines »Paradieses« mit der historischen Realität des deutschen Kolonialismus im Pazifik. Zwei Maler des deutschen Expressionismus brachen in den Jahren 1913/14 in die Südsee auf: Max Pechstein und Emil Nolde. Ihre Gemälde, Lithographien und Aquarelle, in denen sich sowohl die von ihnen erlebte Realität wie auch die europäischen Vorstellungen von der Faszination der „schönen Wilden“ widerspiegeln, stehen am Beginn der Ausstellung. Sie führen den Besucher über seine eigenen Vorstellungen in die historische Wirklichkeit der Südsee-Kulturen:

Das historische Modell eines Doppelrumpfbootes, Hilfsmittel zur Navigation, vielgestaltige Angelhaken, Köder und Fischnetze geben einen Einblick in die Seefahrt in der Südsee und veranschaulichen die großen Leistungen der Ozeanier im Bereich Navigation. Neben dem Meer war aber auch der Landbau auf den großen Inseln für die Ernährung von großer Bedeutung. Arbeitsgeräte, reich dekorierte Transport- und Aufbewahrungsbehältnisse sowie Objekte für den Tauschhandel berichten vom Leben der Insulaner. Traditionellen Genussmitteln und Rindenbaststoffen gilt ein besonderes Augenmerk.

Auf den überwiegend in den warmen Tropen liegenden Inseln Ozeaniens spielte Kleidung zum Schutz vor den Unbillen des Klimas kaum eine Rolle. Doch zur Dokumentation der Gruppenzugehörigkeit und des persönlichen Standes kleideten sich Männer wie Frauen mit prächtigen Schurzen und Matten, von denen einige präsentiert werden können. Eng mit der Kleidung verbunden waren die reichhaltigen Schmucktraditionen der Südseekulturen: Insbesondere in den als egalitär beschriebenen Gesellschaften Melanesiens kam dem Schmücken des vor allem männlichen Körpers große Bedeutung zu. Auch hier kann die Hildesheimer Sammlung ausgezeichnete Beispiele für sehr unterschiedliche Schmuckformen aus allen Teilen der Südsee zeigen.

Prächtig dekorierte Schilde, in ihren Details sorgfältig und aufwändig gearbeitete Speere, Pfeile und Keulen sowie außergewöhnliche Rüstungen und Haizahnwaffen von den Inseln Kiribatis erwarten die Besucher zum Thema Kampf und Krieg. Die Südsee war zwar nicht der friedliche Ort europäischer Sehnsuchtsvorstellungen, allerdings waren Kampf und Krieg, die oft strengen Regeln folgten, bei weitem nicht so alltäglich, wie die in der Kolonialzeit in übergroßer Zahl nach Europa gebrachten Waffen vermuten ließen.

Die Religion und die mit ihr verbundenen Regeln und Vorstellungen durchdrangen in unterschiedlichen Ausprägungen alle Lebensbereiche der ozeanischen Gesellschaften. In dieser Zeit waren Tabak und Kräuter etwas von Gott gesandet. Heutzutage werden noch einige dieser alt-bekannten Kräuter via Vaporizer oder Pfeifen zu sich genommen. So kennen die polynesischen und in gewissem Maße auch die mikronesischen Gesellschaften eine Vielzahl von Göttern. Hierzu findet sich in der Ausstellung eine der weltweit nur 15 bekannten, fast minimalistisch anmutenden Skulpturen von dem kleinen Nukuoro-Atoll. In Melanesien bestimmt hingegen die Verehrung der Ahnen das religiöse Leben, insbesondere vielgestaltige Masken und Skulpturen.

In den meisten melanesischen Gesellschaften waren es die Männerhausgemeinschaften und aufgrund ihrer persönlichen Verdienste besonders angesehene Männer, deren Entscheidungen die Geschicke der zumeist kleinen Gemeinschaften bestimmten. Polynesische und mikronesische Inselgesellschaften hingegen waren hierarchisch, in einigen Fällen sogar aristokratisch strukturiert – in ihnen entschied die Abstammung über den gesellschaftlichen und politischen Rang. Die Ausstellung greift das Thema Rang und Status anhand traditioneller Statussymbole auf, zu denen u.a. einzigartige Federkronen von Rapa Nui (Osterinsel) und fein gearbeitete Keulen aus Neuseeland zählen.

Am Schluss der Ausstellung wird der Bogen zur Gegenwart geschlagen und der Blick auf die heutige Südsee mit ihren vielen Inselstaaten gelenkt. Ozeanien ist nicht mehr der fast unerreichbare Inselkontinent auf der anderen Seite der Erde, der Tourismus ist heute auf fast allen Inseln angelangt. Noch immer bestimmt aber die große kulturelle Vielfalt das Bild der Südsee, deren Bewohner zwischen der Auseinandersetzung mit den eigenen Traditionen, den Konflikten mit Siedlergesellschaften und den Ansprüchen der globalisierten Welt ihren eigenen kulturellen, künstlerischen und politischen Weg gehen.

Kontakt Informationen

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Telefon: +42 5884 02093943
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E-mail:office[@]suedsee-ausstellung.de